Glauben Sie an Gott?

3. April 2017

Diesen Beitrag widme ich meinem Freund, Friedemann Humburg, gegen den ich um das Bürgermeisteramt in Oranienburg antrete.

Ist Religion Privatsache? Natürlich, und das ist gut so. Aber falls Sie gläubig sind, wird Sie wahrscheinlich interessieren, ob ich an etwas glaube und das ist Ihr gutes Recht, denn es ist eine wichtige Frage der eigenen Persönlichkeit. Ja, ich glaube an Gott. Ich bin evangelisch getauft, bekenne mich zum christlichen Glauben und habe eine große Zuneigung zum Judentum.

Dabei komme ich gar nicht aus einem strengchristlichen Elternhaus. Mein Vater stammt sogar aus einer atheistischen Familie und hat sich erst als Student der Kirche zugewandt, auch deswegen, weil es hier Gleichgesinnte gegen die DDR-Autorität gab. Meine Mutter kommt zwar aus einem christlichen Elternhaus, allerdings wurden meine beiden älteren Halbbrüder zwar getauft aber nicht konfirmiert, weil Christen in der DDR Nachteile in Kauf zu nehmen hatten, was sie aus eigener Erfahrung kannte und was sie ihren Kindern nicht antun wollte. Auf Initiative meines Vaters wurde ich getauft und später konfirmiert. Die Kirche stand aber nicht im Vordergrund meiner Erziehung.

Mein Glaube begann deswegen eigentlich erst, als ich fünfzehn Jahre alt war und ein Freund von mir nach einem Autounfall im Koma lag. Zum ersten Mal betete ich ernsthaft und verzweifelt, leider vergeblich. So spürte ich einerseits, dass der Mensch eine Seele hat, etwas das über den Tod hinaus existiert und ich wurde andererseits sehr verunsichert, weil ich Gott nicht als barmherzig erlebt hatte. Ich stellte das Beten ein und versuchte es später nur noch zweimal in verzweifelten Situationen, wobei jeweils das geschah, was nicht hätte geschehen sollen.

Andererseits war ich immer sehr verunsichert, was die Religionen angeht, denn auch wenn ich immer daran glauben wollte, dass Gott barmherzig ist, die Religionen und deren Vertreter waren es oft genug nicht. Außerdem quälte mich die Frage, wie ein barmherziger Gott so viel Ungerechtigkeit zulassen kann. Erst durch meine Radreise nach Jerusalem änderte sich mein Verhältnis zu Gott grundlegend, denn ich hatte erlebt, dass ich nicht aus eigener Kraft das Ziel erreicht hatte. Ich will das an der Stelle nicht näher erläutern, darf aber auf mein Buch verweisen. Außerdem lernte ich meine eigene Beziehung zu Gott aufzubauen, durch die Art und Weise, wie ich mir die Welt erschließe.

Der Glaube ist für mich der Schlüssel zu Gott als einem universellen Wesen, weniger die Gesetze der Religionen und die Welt ist für mich, so wie jedes einzelne Lebewesen, ein phantastisches Wunder, das nicht nur durch nüchterne Naturgesetze zu erklären ist. Glauben heißt für mich eine höhere Wahrheit anzuerkennen, die über meinen eigenen Verstand hinausgeht und die allem einen Sinn gibt. Daher darf ich das, was Menschen über Gott zu wissen glauben in Betracht ziehen und auch anzweifeln. Es gibt viele Hinweise, aber keine Gewissheit.

Im Jahre 2012 bin ich ein zweites Mal in Jerusalem gewesen, hatte inzwischen etwas Hebräisch gelernt und hatte in hebräischer Schrift meinen größten Wunsch formuliert und ihn in die Klagemauer gesteckt. Gott hat daraufhin mein Leben gehörig durcheinandergewirbelt und mir mit meiner ersten Tochter Hannah im Jahre 2015 diesen Wunsch erfüllt. Seitdem habe ich endgültig meinen Frieden gemacht. Hannah ist inzwischen getauft, ich habe von Herzen vor Gott versprochen, dass ich ihre Mutter immer lieben und ehren werde und gerade lese ich zum ersten Mal von der ersten bis zur letzten Seite die Bibel. Inzwischen bete ich auch vorsichtig, allerdings ist es mir nun eher ein Bedürfnis mich für mein Glück voll Demut zu bedanken. Außerdem glaube ich, dass egal was die Wahrheit ist, ich Gott ganz sicher damit Respekt erweise, indem ich seine Schöpfung achte und wertschätze. Das macht mich zu einem sehr glücklichen Menschen.

PS:

Lieber Friedemann,

du hast mir vor Gott mein Versprechen abgenommen, dass ich meine Frau für immer lieben werde, du hast unsere Hannah getauft und ich wünsche mir, dass du nach der Bürgermeisterwahl auch unsere Lilly taufen wirst. Wir teilen sehr viel, z.B. die Faszination für die hebräische Sprache. Nun sind wir aber auch Konkurrenten. Deswegen möchte ich dir versprechen, dass bis zur Wahl und darüber hinaus nichts zwischen uns stehen wird. Dass wir fair sind, ist sowieso selbstverständlich, nicht nur unter uns. Aber wir werden es uns auch nicht verübeln, dass wir uns gegenseitig vielleicht entscheidende Stimmen kosten werden. In uns beiden ist die feste Überzeugung, dass unser Herz groß genug ist, unser Kreuz breit genug und, dass wir uns dieser Wahl stellen müssen. Warum es uns beide trifft, weiß ein anderer, einer, der weit über uns steht und dem wir beide vertrauen. Wir sind Freunde.

אני מאחל לך כל טוב

Dein Alex


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